Erhöhte Blutzuckerwerte führen zu Schäden an den kleinsten Gefässen der Netzhaut (Retinakapillaren). Sie werden brüchig und durchlässig für Flüssigkeit aus dem Blutstrom. So entstehen Wassereinlagerungen und kleine Blutflecken im Netzhautgewebe. Andere Kapillaren können sich verschließen und führen zum Sauerstoffmangel in der Netzhaut. Dieser setzt Wachstumsfaktoren frei, die Gefässneubildungen stimulieren, die unkontrolliert auf dem Sehnervenkopf und auf der Netzhautoberfläche wachsen. Sie bilden Büschel oder Fächer und neigen zu spontanen Blutungen in den Glaskörper. Ferner entwickeln sie Bindegewebe mit sich, das zur Schrumpfung neigt und die Netzhaut ablösen kann. Diese Gefässveränderungen sind typisch für den langjährigen Diabetiker. Vor allem Typ 1 Diabetiker sind gefährdet. Ab dem 15. Jahr der Diabeteserkrankung steigt das Risiko deutlich an, nach 25 Jahren haben fast alle mehr oder weniger schwere Netzhautveränderungen.

dia retinopathie

Typische Hinweiszeichen sind:

  • Russregen, Schwaden und Fäden im Blickfeld (teilweise Blutung)
  • Verdunklung oder totaler Sehverlust (vollständige Einblutung)
  • verschwommenes, verzerrtes Sehen (Netzhautablösung bis ins Zentrum)


Sind Sehstörungen bereits vorhanden, liegt meist schon ein fortgeschrittenes Stadium der Retinopathie vor. In dieser Situation ist eine Behandlung dringend indiziert und stützt sich auf 2 Bereiche:

  • wir Augenärzte behandeln die diabetische Retinopathie
  • der Hausarzt/Internist intensiviert die Diabetes- und ggf. Bluthochdruckbehandlung


Nur in augenärztlicher und internistischer Zusammenarbeit kann man wirkungsvoll und nachhaltig die Augenveränderungen unter Kontrolle bringen. Unbehandelt kommt es innerhalb von 5 Jahren in ca. 30 % der Fälle zur Erblindung. Bei rechtzeitiger Behandlung ist eine Erblindung äusserst selten.